Der Fallschirmsprung

Bloß kein Risiko eingehen!!! Ich schaff es schon, irgendwie erfolgreich zu werden… Aber Hauptsache, die Leute mögen mich, ich verliere kein Geld und ich tu mir nicht weh. Klingt das nach einem Mindset, das wirklichen Lebenserfolg verspricht? Du kannst dir die Frage sicher selbst beantworten!

Wie kann man es denn trainieren, mal aus der Komfortzone auszubrechen und persönliches Wachstum daraus mitzunehmen?

Ich möchte dir eine kleine Geschichte aus meinem Leben erzählen.

Damals war ich 25 Jahre alt. Das war noch die Zeit, als ich mit einer Gruppe gleichgesinnter Studenten eine Seminarreihe zum Thema Persönlichkeitsentwicklung besucht habe. Ich bin meinem damaligen Informatik-Prof von Herzen dankbar, dass er uns mit diesem Thema, das mit Zahlen-Daten-Fakten rein gar nichts zu tun hat, in Berührung gebracht hat.

Der Fallschirmsprung war eines der Highlights der Seminarreihe.

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***
Es ist ein sonniger Samstag. Unser Studententrupp fährt gut gelaunt zum Flughafen hier in meiner Heimatstadt Magdeburg. Es wird gelacht und gescherzt. Klar, es hat jeder Schiss. Doch wollen wir zitternd wie die Kaninchen in der Ecke sitzen? Nein, wir machen das ja, um unsere Grenzen zu überwinden und auch ein Stück weit, um Spaß dran zu haben.

Jetzt gibt’s eine Einführung. Beim Tandemsprung wird man vor den erfahrenen Fallschirmspring-Lehrer geschnallt. Jeder von ihnen hat über 1000 Sprünge gemacht. Mein Sprungpartner ist Thomas. Dass er nach weit über 1000 Sprüngen noch lebt, ist ein gutes Zeichen – es erhöht die Chance, dass ich da heil runter komme.

Theorieeinführung. Thomas zeigt, wie wir die Füße halten müssen. Bauchlage, die Knie anwinkeln, Füße nach oben. Ist ja ganz einfach. Hey, Tandemspringen kann doch jeder… (Genau, red dir ruhig gut zu. Hilft dir, nicht direkt vor Angst durchzudrehen)

Eine kleine Maschine bringt immer zwei der Studenten mit ihren erfahrenen Springern nach oben. Ist es eine Cessna? Ich habe keine Ahnung von Flugzeugen. Ist ja auch egal. Sieht auf jeden Fall lustig aus, wie die zu Paketen verschnürten Paare in den Flieger steigen.

Einige Durchgänge später. Jetzt wird’s ernst! Wir sitzen im hinteren Teil der Maschine. Links die Tür ist… offen! Müsste uns der Unterdruck nicht rausziehen? Nein, es ist nicht so wie im Fernsehen. Alles gut. Na von wegen. Das Flugzeug steigt und steigt. Mein Blutdruck auch. Ich sehe durch die offene Tür den Boden entschwinden. Warum habe ich mein Testament nicht gemacht? Oh mein Gott, es gibt kein Zurück mehr. Ich habe keinerlei Kontrolle über die Situation. Bin ausgeliefert.

Nein, so ist es nicht. Ich erinnere mich: Ich habe es so gewollt. Ich kann immer noch sagen, dass ich nicht springen möchte. Doch ich will mich der Herausforderung unbedingt stellen!

Thomas tippt mich an. Jetzt geht’s los. Etwas unbeholfen, weil wir aneinandergeschnallt sind, schieben wir uns zur Luke. Jetzt sitze ich auf der Kante, er hinter mir. Meine Füße baumeln schon in der Luft. Der Boden ist 3000m entfernt!

Der Wind bläst hier oben sehr laut, so muss er mir ins Ohr schreien, dass ich nicht auf der Kante sitzen darf. Ich muss diesen kleinen Hopser nach vorn machen, wo ich in der Luft hänge und nur deswegen nicht nach unten stürze, weil ich an ihn festgeschnallt bin.

Ich schließe mit meinem Leben ab und stoße mich ab…

Ich hänge in der Luft, nur durch einige Schnüre mit Thomas verbunden. Von jetzt an liegt alles in seiner Hand. Er entscheidet, wann wir springen…

Er hat es getan! Oh mein Gott, die Welt dreht sich. Der Boden, die Sonne, das Flugzeug, der Himmel. Ahhh, alles dreht sich. Durch den Gegenwind ist es extrem laut, keine Chance von Thomas Anweisungen zu hören. Doch er tippt ganz gelassen meine Beine an. Ich erinnere mich an die Übung, die vorhin am Boden noch so einfach war. Knie anwinkeln, Füße nach oben. Das bringt uns nun endlich in die stabile Bauchlage.

Jetzt fühle ich auch, wie wir der Erde entgegenrasen. Ich bin überrascht, es fühlt sich nicht an wie in der Achterbahn, wenn man bergab fährt und der Magen nach oben hüpft. Nein, ich bekomme das Bild eines Motorrads, mit dem ich ohne Helm mit 200 Sachen über die Autobahn rase. Der Luftwiderstand ist enorm. Ein krasses Gefühl. Adrenalin pur!

Irgendwann zieht Thomas die Reißleine.

Puhh… Wir schweben ganz gelassen der Erde entgegen. Was für eine tolle Aussicht. Bei dem klaren Himmel können wir heute weit ins Land schauen. Und da ist eine kleine Wolke! Thomas lenkt uns einmal drum herum. Witzig. Ich darf sogar auch mal lenken. Was für ein geniales Gefühl! So muss sich ein Vogel fühlen. Die Freiheit der Lüfte, alles im Blick haben, schweben. Ich genieße unser sanftes Hinabgleiten.

Es ist viel zu schnell vorbei. Ich habe wieder festen Boden unter den Füßen, kriege mein breites Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Eine Grenzerfahrung, ohne Frage. Und doch eine, die ich in meinem Leben nicht missen möchte. Und heute, ein Vortrag vor 500 Leuten? Wen kümmert‘s, ich bin aus einem Flugzeug gesprungen, da bringt mich das auch nicht um.

In diesem Sinne, ich wünsche dir spannende Herausforderungen!

***

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2 Kommentare zu „Der Fallschirmsprung“

  1. Wow Anne!
    Danke für diese spannende und erfrischende Beschreibung deines Erlebnis!
    Es hat mir wunderbar die Erinnerung an einen verrückten Tag in Californien als „Kangaroobaby im Beutel meines Jumpmasters“ wach gerufen … ein Vierteljahrhundert – auf Knopfdruck – jetzt – im inneren Erlebnis und im Fühlen gibt es die Zeit nicht …
    Genial!

    Gefällt mir

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